Laut Adam Howard von der National Broadcasting Company ist jeder
Bond ein interessanter Spiegel seiner Zeit. So spiegelte Sean Connery
zum Beispiel die sanfte Kraft wider, die die Kultur während des
Kalten Krieges benötigte. Wer hat schon Angst vor Kommunisten, wenn
es so elegante Operateure wie Bond gibt? Nach Watergate war jedoch
Roger Moores pingeliger Bond ein großer Gegenpol zur Ernüchterung
der damaligen Zeit.
Was Timothy Dalton betrifft, so tauchte sein weniger
sexualisierter 007 auf der Leinwand etwa zur gleichen Zeit auf, als
Amerika anfing, sich mit der zunehmenden AIDS-Krise
auseinanderzusetzen. Und mit seinem Schwerpunkt auf Gadgets und
extravaganten Stunts repräsentierte Pierce Brosnan den Tech-Boom der
90er Jahre. Heutzutage hat Daniel Craig uns eine Post-9/11-Version
gegeben.
Wenn man Ian Flemings James Bond betrachtet – diesen scheinbar
makellosen Gentleman-Agenten, der mit kalter Präzision tötet,
trinkt, liebt und überlebt –, scheint man zunächst einer reinen
Pop-Ikone gegenüberzustehen, einem Archetypus des modernen
Abenteurers. Die Romane
haben sich über 100 Millionen Mal verkauft, und das Film-Franchise
ist das zweiterfolgreichste der Geschichte, nachdem es durch die
Harry Potter-Reihe abgelöst wurde. In den Romanen und Filmen gibt es
jedoch tiefere Unterströmungen, Themen, Symbole und Botschaften, die
in eingehenden Analysen bestätigt wurden und die vor allem der
Semiologe und Autor Umberto Eco akribisch untersuchte. Erst ab diesem
Zeitpunkt wurde Bond zum Gegenstand des akademischen Interesses und
der literarischen Seriosität. Und unter der
glänzenden Oberfläche seiner Maßanzüge und Aston Martins verbirgt
sich noch ein weiteres, dunkles Narrativ: Bond als Werkzeug einer
verborgenen Ordnung, als Symbolfigur einer metaphysischen
Auseinandersetzung zwischen Licht und Finsternis. Der Mythos des 007
ist weniger eine Spionagegeschichte als vielmehr ein modernes
Mysterium – und Ian Fleming war sich dessen sehr bewusst.